Kaderstellen-Report 2020/Q1-3

11.09.2020

Starke Zunahme von Kader-Stellen im Sozial- und Gesundheitswesen

MSc Die Zahl der neu ausgeschriebenen Stellen in der Deutschschweiz ist zwischen Juni und August um mehr als 55 Prozent gestiegen. Gemäss den Ende August veröffentlichten Daten des Bundesamtes für Statistik entstanden im Sozial- und Gesundheitswesen während der Corona-bedingten Ausnahmesituation sogar die meisten neuen Stellen. Besonders hoch war der Personalbedarf in Pflege- und Altersheimen, insbesondere auch bei den Kaderstellen.

Unbestritten sind der Fachkräftemangel sowie ein Generationenwechsel in Fach- und Führungsfunktionen mit einer markanten Fluktuationsrate auf geschäfts- und betriebsleitender Ebene. Zwischen Januar und August dieses Jahres wurden im Sozial- und Gesundheitswesen in der Deutschschweiz rund 300 Kaderstellen neu ausgeschrieben. 64 Prozent mehr als im Vorjahr, mit dem Kanton Zürich - gefolgt vom Kanton Bern - als ausschreibungsaktivstem Kanton.

Im Bereich der Pflege und Betreuung von älteren Menschen wurden im ersten Halbjahr 73 Kaderstellen ausgeschriebenen. Das sind 30 Prozent mehr als im letzten Jahr und 24 Prozent aller im Sozial- und Gesundheitswesen ausgeschriebenen Kaderstellen.

Während dem gleichen Zeitraum wurden in den Sozialressorts der öffentlichen Verwaltungen mit 42 Kaderstellen im Vergleich zum Vorjahr knapp 60 Prozent mehr ausgeschrieben. Ebenfalls um 60 Prozent gestiegen sind die Kaderstellen in den Institutionen zur Pflege und Betreuung von Menschen mit Behinderung. Diese publizierten im ersten Halbjahr dieses Jahres 34 Kaderstellen.

Die stärkste Zunahme zum Vorjahr verzeichnen die Organisationen zur Begleitung und Betreuung von Kindern, Jugendlichen und Familien, mit 29 ausgeschriebenen Kaderstellen siebenmal so viel wie im Vorjahr. Wenig überraschend haben sich auch die Kaderstellen in Spitälern und Kliniken verdreifacht, von 9 auf 28 Stellen.

Stabil geblieben sind die Spitex-Organisationen, die in den ersten drei Quartalen mit 20 Kaderstellen (fast) gleichviel ausgeschrieben haben, wie im gleichen Zeitraum des letzten Jahres. Gleiches trifft auf die Bildungsinstitute mit sozialen Angeboten zu, die ebenfalls mit 20 Kaderstellen sogar noch 2 Prozent unter der letztjährigen Ausschreibungs-Quote lagen.

Bei den sozialen (meist nationalen) Verbänden und Organisationen stieg die Anzahl der ausgeschriebenen Kader-Inserate in der Deutschschweiz von 33 auf 52, um knapp 60 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.

Studien zufolge fehlt im Sozial- und Gesundheitswesen in den nächsten zehn Jahren eine halbe Million Arbeitskräfte in der Schweiz. Die Branche ist also gezwungen, den Fokus verstärkt auf die Personal-Entwicklung, die Verbesserung von betrieblichen Abläufen und organisatorischen Strukturen sowie die Kundenorientierung zu richten, soweit sinnvoll auf der Basis der Digitalisierung von Prozessen und damit verbunden der intensiveren Nutzung von Daten. Die Begleitung durch (externe) Spezialisten dürfte sich positiv auswirken.